Hochrisiko oder nicht? So klassifizierst Du Deinen KI-gestützten Kundenservice richtig

Fällt Dein KI-Chatbot unter "Hochrisiko"? Lerne die Risikoklassen des AI Act kennen und wie Du Deinen eigenen KI-Kundenservice einstufst.

Hochrisiko oder nicht? So klassifizierst Du Deinen KI-gestützten Kundenservice richtig Ratgeber
Karsten Kreh Karsten Kreh

Rechtlicher Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Rechtsberatung dar. Obwohl wir die Informationen mit größter Sorgfalt erstellen, übernehmen wir keine Gewähr für deren Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Für eine verbindliche Beratung zu Deiner spezifischen Situation, wende Dich bitte an eine qualifizierte Rechtsanwältin oder einen qualifizierten Rechtsanwalt.

Die wichtigste Frage: Hochrisiko oder nicht?

Bei der Einführung eines KI-Systems im Unternehmen ist eine Frage entscheidender als alle anderen: Fällt das System in die Kategorie “Hochrisiko”? Die Antwort auf diese Frage bestimmt über Aufwand, Kosten und Dein rechtliches Risiko. Ein Hochrisiko-System unterliegt extrem strengen und teuren Auflagen. Ein System mit begrenztem Risiko hingegen hat nur überschaubare Transparenzpflichten.

Einfache Chat- und Sprachassistenten, deren Hauptzweck die Beantwortung von Kundenfragen ist, fallen in der Regel nicht unter die Hochrisiko-Bereiche in Anhang III des EU AI Acts. Für sie steht die Transparenzpflicht nach Art. 50 im Vordergrund. Ob das für Deinen Einsatz gilt, hängt davon ab, wie Du das System nutzt.

Die Komplexität beginnt jedoch, wenn fortschrittlichere Funktionen ins Spiel kommen. Könnte eine Stimmungsanalyse oder eine automatische Dringlichkeitserkennung Deinen KI-Assistenten zu einem Hochrisiko-System machen?

Wann wird ein Kommunikations-Tool zum Hochrisiko-System?

Der AI Act listet in seinem Anhang III die Bereiche auf, in denen KI-Systeme potenziell als hochriskant gelten. Für den Kundenservice sind vor allem zwei Punkte relevant: Systeme, die über den Zugang zu wesentlichen Dienstleistungen entscheiden, oder Systeme, die ein Profiling natürlicher Personen durchführen.

Hier entstehen die typischen Sorgenfalten:

  • Wird eine Stimmungsanalyse (“Anrufer klingt verärgert”) als verbotene “Emotionserkennung” oder riskantes “Profiling” gewertet?
  • Wenn die KI eine Dringlichkeit erkennt (“dringendes Anliegen”), entscheidet sie dann über den Zugang zu einer wesentlichen Dienstleistung?

Diese Befürchtungen sind verständlich. Ob sie zutreffen, hängt von Deinem konkreten Einsatz ab.

Der Schlüssel: Ist die KI nur ein Assistent für den Menschen?

Der AI Act sieht gezielte Ausnahmen vor, wann ein System trotz einer potenziellen Listung in Anhang III nicht als hochriskant gilt. Zwei dieser Ausnahmen sind für den Kundenservice entscheidend:

  1. Die KI dient dazu, das Ergebnis einer zuvor abgeschlossenen menschlichen Tätigkeit zu verbessern.
  2. Die KI führt eine vorbereitende Aufgabe für eine Bewertung durch, die letztlich von einem Menschen vorgenommen wird.

Hier liegt der Schlüssel. Ein Assistent, der nur vorbereitet und einem Menschen zur Entscheidung vorlegt, kann unter diese Ausnahmen fallen. Eine Stimmungsanalyse trifft dann keine autonome Entscheidung. Sie führt eine vorbereitende Aufgabe aus, indem sie einem menschlichen Mitarbeiter einen zusätzlichen Datenpunkt liefert (z. B. “Anrufer wirkt verärgert”). Der Mitarbeiter kann diese Information nutzen, um das Gespräch besser zu führen. Die Ausnahme gilt allerdings nicht, wenn das System ein Profiling natürlicher Personen durchführt. Ob Dein Einsatz unter eine Ausnahme fällt, prüfst Du selbst.

Dieses Prinzip der “Human-in-the-Loop-Augmentation” kann bei der Einstufung eine Rolle spielen. Es ersetzt nicht die Prüfung Deines konkreten Einsatzes. Die Risikoklasse hängt davon ab, wie Du das System einsetzt.

Der EU AI Act: Ein praxisnaher Guide für deutsche Unternehmen

Den eigenen Einsatz prüfen

Das Fazit für Dich als Unternehmer: Die Risikoklasse hängt davon ab, wie Du das System einsetzt, und Du bewertest Deinen eigenen Einsatz selbst.

Ein KI-Assistent wie beispielsweise Safina bereitet Informationen auf und legt sie dem Menschen zur Entscheidung vor. Weise Anrufer zu Beginn jedes Gesprächs darauf hin, dass sie mit einer KI sprechen. Das gehört zur Transparenzpflicht nach Art. 50 AI Act. Safina macht aber keine Aussage dazu, in welche Risikoklasse Dein Einsatz fällt. Prüfe Deinen Anwendungsfall und lass Dich bei Zweifeln rechtlich beraten.

9:41

Safina führte diese Woche 51 Telefonate

46

Vertrauensvoll

4

Verdächtig

1

Gefährlich

Letzte 7 Tage
Filter
EM
Emma Martin 67s 15:30

Möchte das Angebot für die neue Kampagne besprechen und hat Fragen zum Zeitplan.

LS
Laura Wagner 54s 14:45

Fragt nach dem Status der Bestellung und wann die Lieferung kommt.

TH
Tim Hoffmann 34s 13:10

Termin für Projektbesprechung nächste Woche vereinbaren.

Unbekannt 44s 11:30

Gewinnversprechen – wahrscheinlich Spam.

SK
Sophie Meyer 10s 09:15

Reklamation zum letzten Auftrag, bittet um Rückruf.

MM
Martin Neumann 95s 13. Dez

Möchte eine mögliche Zusammenarbeit besprechen.

AR
Anna Richter 85s 13. Dez

Ist Deine Kollegin und möchte über das Projekt sprechen.

JK
Jonas König 42s 12. Dez

Erkundigt sich nach verfügbaren Terminen nächste Woche.

LB
Lina Berg 68s 12. Dez

Hat Fragen zur Rechnung und bittet um Klärung.

Anrufe
Safina
Kontakte
Profil
9:41
Anruf von Emma Martin
12. Dez
11:30
67s
+491723456789

Möchte das Angebot für die neue Kampagne besprechen und hat Fragen zum Zeitplan.

Wichtigste Punkte

  • Rückruf an Emma Martin
  • Fragen zu Zeitplan & Konditionen klären
Zurückrufen
Kontakt bearbeiten

KI-Einblicke

Stimmung der Person Sehr gut

Der Anrufer war kooperativ und hat die benötigten Informationen bereitgestellt.

Dringlichkeit Niedrig

Der Anrufer kann auf eine Rückmeldung warten.

Audio & Transkript

0:16

Hallo, hier spricht Safina AI, die digitale Assistentin von Peter. Wie kann ich Ihnen helfen?

Hallo Safina, hier ist Emma Martin. Ich wollte über das Angebot und den Zeitplan sprechen.

Danke, Emma. Geht es bei Ihrer Entscheidung vor allem um das Standard- oder Pro-Paket für den Launch?

Genau. Wir brauchen das Pro-Paket und möchten nächsten Monat starten, wenn das Onboarding in der ersten Woche möglich ist.

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